Rezension zu „Das Institut“
1. Einleitung
Hier schreibe ich mal wieder eine Rezension über ein fantastisches Werk des Altmeisters Stephen King. Das Buch trägt den Namen „das Institut“ und erschien im Herbst 2019. Es ist also ein neueres Werk. In dem Roman geht es um einen Jungen namens Luke Ellis, der eines Nachts entführt und in ein schauriges Gebäude mit dem Namen „das Institut“ verschleppt wird.
Eigentlich wollte Luke auf das College, da er für sein Alter überdurchschnittlich intelligent ist. Doch besagte Entführung machte ihm auf brutale Weise einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen bricht für ihn sprichwörtlich die Hölle ein und es entbrennt ein atmosphärischer Horror-Thriller, der seinesgleichen sucht. Es geht wie so oft in Kings Romanen mal wieder um „besondere“ bzw. in diesem Fall um telepathisch begabte Kinder. Doch schafft er es, trotz des altbekannte Themas, ein originelles Werk zu erschaffen?
2. Hauptteil
Die Handlung beginnt in einem kleinen beschaulichen Ort namens DuPray. Der ehemalige Polizist Tim Jamieson landet hier zufällig, obwohl er ursprünglich auf dem Weg nach New York war. DuPray ist beschaulich, jedoch herrscht hier „tote Hose“. Bis auf eine Tankstelle, einen Bahnhof und eine Polizeistation gibt es in dem Ort nichts Großartiges. So wirkt auch die Handlung im ersten Kapitel.
Nämlich ziemlich langatmig. Aber dass die Handlung auf den ersten Seiten so langsam vorankommt wie zähflüssiger Honig, ist die für Stephen King typische „Ruhe vor dem Sturm“. Denn als man denkt, dass die Story komplett einschläft, passiert plötzlich etwas. Es passiert nicht schleichend und unauffällig, sondern mit Karacho und einem lauten Rumms – ein Raubüberfall an einer Tankstelle. Tim handelt hier blitzschnell, was den Sheriff dazu veranlasst Tim wieder zum Polizisten zu befördern. Ab diesem Zeitpunkt düst der Roman los wie eine Corvette mit 250 km/h. Denn wenig später wird der hochintelligente Junge Luke von 2 mysteriösen Einbrechern gekidnappt, seine Eltern getötet und schließlich mit dem Privatjet (!) in eine unheilvolle Einrichtung mit dem Namen „Das Institut“ verfrachtet. In diesem Kapitel wird der Spannungsbogen so weit ausgedehnt, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen.
Luke wacht auf und bemerkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Denn das Zimmer, in dem er sich befindet, sieht fast 1:1 wie sein häusliches Kinderzimmer aus. Aber wo sind die Fenster?? Das macht ihn sofort stutzig. Als er das Zimmer verlässt, findet er sich in einem großen unheimlichen Gebäude wieder. Sofort kommt hier ein mulmiges Gefühl auf, was man aus Hospital-Horrorfilmen kennt. Die Atmosphäre ist hier bereits so dicht eine Nebelwand in Schottland. Hier wechselt Stephen King immer mehr zum astreinen Horror.
Völlig verwirrt irrt er im Gebäude herum und trifft schließlich auf Kalisha, die ihn erst einmal darüber aufklärt, dass er sich im „Institut“ aufhält. Daraufhin beginnt ein grausiges Spektakel, das seinesgleichen sucht. Wenig später trifft er auf die anderen Jugendlichen Iris, Nick und George und er kapiert, was in dem Laden wirklich läuft.
Die Charaktere, vor allem die Jugendlichen, sind allesamt einzigartig und absolut gar nicht klischeebehaftet. Vor allem Luke, Kalisha und Nick wirken derart sympathisch, dass man sie sofort ins Herz schließt. Nick legt sich auch öfters mal mit dem Institutspersonal an.
Im Institut gibt es einen Vorderbau, als auch einen Hinterbau. Im Vorderbau werden die Jugendlichen mit grausamen Experimenten darauf vorbereitet, im Hinterbau im Kollektiv mit geistiger Kraft aus der Ferne jemanden zu töten. Mit verschiedenen Experimenten werden sie darauf vorbereitet. Die telekinetisch begabten oder telepathisch begabten Jugendlichen (im Roman „Kinder“) sind danach im Kopf so durch, dass sie nur noch vor sich hinvegetieren und schließlich auf dem „Rübenacker“ entsorgt werden – also im Krematorium verbrannt werden.
Im Vorderbau werden sie dabei sogar mit einigen Annehmlichkeiten versorgt, wie Süßigkeiten und Zigaretten (!) gegen Münzen. Diese Münzen verdienen sie sich, wenn sie besonders artig sind und sich den Experimenten beugen. Die Kinder werden also einer eiskalten Manipulation unterzogen, um sie für einen hinterhältigen Zweck einzusetzen. Doch die Krönung des Ganzen ist: Die Leiterin des Instituts, Mrs. Sigsby, lügt den Jugendlichen offen ins Gesicht, dass sie nach dem Projekt wieder nach Hause dürfen. Dass ihre Eltern ermordet worden und die Kinder schlussendlich auf dem „Rübenacker“ landen, verschweigt sie.
Die Kinder werden demnach mit „Brot und Spiele“ gefügig gehalten, damit sie nicht einmal im Traum an Flucht denken. Doch Mrs. Sigsby hatte nicht damit gerechnet, dass Luke hochintelligent ist und unterschätzt ihn somit total. Zum Beispiel nutzt Luke seinen Laptop, um eine Nachrichtenseite aufzurufen, um zu erfahren, was wirklich passiert war. Luke rechnete sogar damit, dass der Laptop überprüft wird, was dann jedoch nicht passiert. Dadurch findet er heraus, dass seine Eltern ermordet wurden.
Durch Lukes analytischen Verständnis entwickelt die Geschichte eine immense und sehr interessante Dynamik. Diese Dynamik wird in diesem Teil des Romans (nach DuPray) nie langweilig. Mithilfe verschiedene Tricks führt er die Instituts-Leitung an der Nase herum. Dafür verbündet er sich mit der Haushälterin Maureen.
Er hilft ihr, ihre Geldprobleme zu bewältigen dafür erhält er wertvolle Informationen über das Institut von ihr. Mithilfe von ihr und den telepathischen Fähigkeiten des kleinen Avery tauschen sie untereinander Informationen aus, ohne dass das Sicherheitspersonal über die Überwachungskameras Verdacht schöpft. Mithilfe von Maureens Hilfe beginnt Luke schließlich, seine eigene Flucht zu planen. Vorher filmte Maureen alle Grausamkeiten des Instituts und lädt das Videomaterial auf einen USB-Stick und übergibt den Stick an Luke.
3 Wochen später setzt Luke seine spektakuläre Flucht in die Tat um. Das Ganze inszeniert Stephen King als dramatische, aber doch vertrackte Verfolgungsjagd. So erahnt der hochintelligente Luke natürlich, dass das Institut selbst auf der örtlichen Polizeistation Verbindungsmänner eingeschleust hat. Jedoch ist es nur einer ganzen Reihe von Zufällen zu verdanken, dass Luke während der Fahrt mit dem Güterwaggon unentdeckt bleibt. Denn an fast jeder Station des Güterzugs hatte das Institut ebenfalls Verbindungsmänner hingeschickt, die auch von Mrs. Sigsby unterrichtet wurden, nach einem 12-jährigen Jungen Ausschau zu halten. Die Spannung stieg dadurch fast ins Unendliche. Stephen King hat definitiv das Talent, die Ereignisse derart zu verzahnen und auf Trab zu bringen, dass man gar nicht mehr aufhören kann mit lesen.
Später strandet Luke schlussendlich in DuPray, wo er auf Tim trifft und von ihm erst einmal versorgt wird. Wer dachte, dass hier die Achterbahnfahrt des Romans beendet wird, wird eines Besseren belehrt.
Denn bald darauf treffen Mrs. Sigsby und ihre Schergen in DuPray ein und es entwickelt sich eine absolut blutige und brutale Schlacht, bei der nur wenige Personen überleben. Zum Schluss plant Luke eine List und führt Mrs. Sigsby und Tim wieder zurück zum Institut.
Dort angekommen verbünden sich die Kinder mit Lukes Hilfe telepathisch mit den Kindern aus anderen Instituten und zerstören das Institut durch ihre geballte geistige Übermacht. Ende gut, alles gut? Nicht ganz.
Am Ende kreuzt nämlich noch Bill Smith (der Vorsitzende von Mrs. Sigsby) auf und jammert vor Tim und Luke herum, wie alle Institute auf der Welt zerstört worden.
Fazit
Stephen King hat hier zwar die die Horrorwelt ein wenig verlassen und mehr auf den Thriller-Vibe gesetzt, aber trotzdem eine absolute Urgewalt an Roman hier abgeliefert. Besonders der „Rübenacker“ hatte mir echt gut gefallen, das war der Inbegriff des Gruselfaktors. Ich vergebe daher solide 9 von 10 Punkten.
Trotz der 9/10 Punkte bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Warum zur Hölle lässt Luke die Beweise auf dem USB-Stick nicht auffliegen? Nach all den Qualen, dem ‚Rübenacker‘ und den Toten hätte Bill Smith eine öffentliche Abrechnung verdient gehabt. Dass King hier den Weg der ‚stillen Übereinkunft‘ wählt, fühlt sich fast wie ein Schlag ins Gesicht der Gerechtigkeit an. Was meint ihr: War Lukes Entscheidung klug oder einfach nur feige? Schreibt es mir in die Kommentare!
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